Die Zinsen für Immobilienkredite sind seit Juli deutlich gestiegen. Eine zehnjährige Zinsbindung kostet aktuell im Schnitt rund 4,5 %. Die wichtigsten Punkte aus der aktuellen Marktübersicht unseres Partners Prohyp:
- # Anschlussfinanzierung: Wer 2016 für zehn Jahre finanziert hat, zahlte damals oft 1,5 bis 2 % Zins. Der Sprung ist erheblich, fällt aber häufig milder aus als befürchtet. Denn nach zehn Jahren ist nur noch ein Teil der Schuld offen. Wer 2017 mit 1,25 % Zins und 3 % Anfangstilgung finanziert hat, schuldet heute noch etwas mehr als 70 % des ursprünglichen Darlehens. Gestiegene Immobilienwerte und Löhne schaffen zusätzlichen Spielraum. Wichtig: Kümmern Sie sich frühzeitig darum. Mit mehreren Jahren Vorlauf können Sie sich über ein Forward-Darlehen die heutigen Konditionen sichern, über höhere Tilgung oder Sondertilgungen die Restschuld senken und Anbieter vergleichen. Anspruchsvoller wird es ab 2027, wenn fünfzehnjährige Darlehen aus der späteren Niedrigzinsphase auslaufen.
- # Kapitalmärkte und Staatsverschuldung: An den Anleihemärkten sind die langfristigen Zinsen zuletzt rasant gestiegen, Fachleute sprechen von einem „Bondbeben“. In den USA rentierten zehnjährige Staatsanleihen zuletzt über 5,33 %, so hoch wie seit fast 25 Jahren nicht mehr, und die US-Schulden überschritten erstmals 40 Billionen Dollar. Die Schuldenquote der G7-Staaten ist von rund 78 % der Wirtschaftsleistung vor der Finanzkrise auf etwa 124 % gestiegen. Auch Europa ist betroffen: Der Ifo-Chef Clemens Fuest warnt vor einer Rückkehr der Euro-Krise, diesmal mit Frankreich im Mittelpunkt. Die französische Staatsverschuldung liegt bei über 3,5 Billionen Euro (fast 120 % der Wirtschaftsleistung) und damit höher als die Italiens, Reformen scheitern dort immer wieder an Protesten. Für Deutschland ist das relevant, weil die Rendite der Bundesanleihen (zuletzt rund 3,5 %) die Richtschnur für die Bauzinsen ist. Das aktuelle Zinsniveau dürfte daher eher die neue Normalität sein als eine Ausnahme. Planen Sie die höheren Zinsen fest ein und achten Sie auf eine tragfähige Rate sowie ausreichende Puffer.
- # Immobilienpreise: Der Prohyp-Immobilienpreisindex zeigt erstmals eine Abwärtsbewegung. Seit Juli sind die Preise in Deutschland um rund 0,7 % gesunken (August 0,4 %, September 0,3 %). In Köln waren es 0,8 %, in München 1,5 %, in Berlin 1,3 %. Von einem echten Trend lässt sich noch nicht sprechen, doch Kaufpreisverhandlungen sind wieder deutlich häufiger, und auch Verkäufer sind eher zu Abschlägen bereit.
- # Kompromisse beim Wohnen: In einer Studie von Appinio im Auftrag von ImmoScout24 (Juli 2026, rund 1.000 Befragte) würden 27 % für ein Drittel niedrigere Wohnkosten ein älteres Gebäude akzeptieren. Nur 9 % würden eine schlechtere Lage hinnehmen. Der häufigste Ausschlussgrund beim Kauf ist ein zu hoher Kaufpreis (25 %), gefolgt von hohem Sanierungsbedarf (19 %).
Unser Tipp: Prüfen Sie rechtzeitig, wann Ihre Zinsbindung endet, und lassen Sie sich beraten, bevor Sie ein Angebot abgeben oder eine Anschlussfinanzierung abschließen.
Quelle: Zusammenstellung von Prohyp (Newsletter vom 09.10.2026). Enthaltene Originalquellen: Welt, Handelsblatt, Prohyp-Immobilienpreisindex sowie Wohnstudie von Appinio im Auftrag von ImmoScout24 (Juli 2026, rund 1.000 Befragte).
[Oktober 2026]
